Für eine einheitliche Anerkennung von Berufsabschlüssen bei Immigranten haben sich die Integrationsbeauftragten der Länder ausgesprochen. Sie fordern von der Bundesregierung, wie im Koalitionsvertrag vereinbart, möglichst rasch ein entsprechendes Anerkennungsverfahren einzurichten. Es sei "nicht nachvollziehbar", dass eine Russlanddeutsche in Schleswig-Holstein als Lehrerin arbeiten dürfe, in Bayern aber nicht, sagte der bayerische Vertreter Martin Neumeyer zum Abschluss der Herbstkonferenz aller Integrationsbeauftragten.
Die Experten fordern unter anderem eine einheitliche Anlaufstelle auf Bundesebene, welche die Arbeit der Stellen in den Ländern
unterstützt. Zur Anerkennung sei ein Gesetz nach dem Vorbild Dänemarks nötig, das sowohl für akademische Berufe als auch etwa das Handwerk gelten soll. Ein entsprechender Bescheid soll es dann den Migranten ermöglichen, "zeitnah" eine Arbeit im erlernten Beruf aufzunehmen oder zur Anerkennung benötigte fehlende Qualifikationen zu erwerben.
Gefordert wird in diesem Kontext auch ein verbessertes Angebot zur Anpassungsqualifizierung. Nach Ansicht der sachsen-anhaltinischen Integrationsbeauftragten Susi Möbbeck ist in Sachen einheitliche Anerkennung von Abschlüssen "noch ein dickes Brett zu bohren". Es gebe aber parteiübergreifend die Einsicht, dass hier eine gesetzliche Regelung auf Bundesebene nötig sei.
Neumeyer beklagte, dass nur 16 Prozent der Immigranten derzeit in ihrem erlernten Beruf in Deutschland auch arbeiten würden. "Die Potenziale sind da, wir müssten sie nur nutzen", sagte der bayerische Integrationsbeauftragte. Es müsse in dem Verfahren binnen sechs Monaten entschieden werden, ob es einem Immigranten möglich sei, in seinem erlernten Beruf hier zu arbeiten, forderte er zusammen mit seinen Kollegen. Weiter soll es verstärkte Anstrengungen für ein Bildungssystem geben, das Migranten "besser in die Lage versetzt, ihren Platz in der Mitte unserer Gesellschaft zu finden", wie es im Ergebnisbericht der Tagung hieß.
Bei dem zweitägigen Treffen verabschiedeten die Integrationsbeauftragten zudem eine "Nürnberger Erklärung für mehr Offenheit, Verständnis und Engagement für die Integration von Migrantinnen und Migranten". Darin steht unter anderem, Menschen mit Migrationsgeschichte dürften nicht "undifferenziert als integrationsbedürftig und bildungsfern betrachtet werden". Für eine gelungene Integration brauche es mehr Offenheit im Dialog und eine kritische Debatte.
Am Rande der Tagung äußerte sich Neumeyer auf ddp-Anfrage auch zum Minarett-Entscheid in der Schweiz. Er wandte sich dabei gegen eine Verurteilung der Wähler. Sie dürften nicht in die rechte Ecke gestellt werden. "Jetzt müssen wir die Chance nutzen, ernsthaft zu diskutieren", sagte der CSU-Politiker. Der Volksentscheid zum Minarett biete die Möglichkeit, ein Tabuthema auch zum Thema zu machen. Der bayerische Integrationsbeauftragte sieht auch hierzulande durchaus Furcht vor einer zunehmenden Islamisierung: "Wenn man in Bayern oder ganz Deutschland abstimmen würde, bekäme man wohl ähnliche Ergebnisse wie jetzt in der Schweiz."
Quelle: ddp