Die Wirtschafts- und Finanzkrise treibt die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Europa nach oben. Im
Vorjahr rutschten in den EU-15 Staaten plus Norwegen und der Schweiz 150.000 Betriebe in die Pleite, wie die Creditreform jetzt mitteilte. Das waren elf Prozent mehr als 2007. In Deutschland stieg die Zahl der Unternehmenspleiten im vergangenen Jahr um 2,2 Prozent. 29.800 Unternehmen mussten schließen.
Drei Jahren lang hatten Unternehmensinsolvenzen in Europa abgenommen. Diese Entwicklung ist jetzt unterbrochen. Die meisten Firmenpleiten meldete Frankreich mit 49.100 Fällen. Dort haben im vergangenen Jahr 15 Prozent mehr Unternehmen Insolvenz angemeldet als im Jahr 2007. Großbritannien hatte mit 14.880 Firmenpleiten ebenfalls 15 Prozent mehr als 2007 zu verzeichnen. Somit waren 2008 in Deutschland EU-weit am zweitmeisten Unternehmen insolvent geworden.
Die wenigsten Firmeninsolvenzen musste Griechenland mit 530 Fällen verzeichnen. Lediglich in drei der untersuchten 17 Länder gab es 2008 weniger Insolvenzen - in der Schweiz, in Portugal und den Niederlanden. Die größten Pleitezuwächse verbuchten Spanien und Irland, wo sich die Zahl der Firmeninsolvenzen mehr als verdoppelte. Beide Länder sind laut Creditreform "voll" von den Turbulenzen an den Finanzmärkten und der Wirtschaftskrise erfasst worden.
Für 2009 rechnet Creditreform mit bis zu 35.000 Firmeninsolvenzen in Deutschland. Am gefährdetesten seien in Europa Italien, Spanien und Osteuropa, speziell das Baltikum. In den mittel- und osteuropäischen Staaten Estland, Lettland, Litauen, Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn nahm die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Lauf des Jahres 2008 zu.
Knapp 21.600 Konkurse gab es vergangenes Jahr in diesen Ländern. Das entspricht einem Anstieg von 11,6 Prozent. Die aufstrebenden Länder Osteuropas sind ein wichtiger Fertigungsstandort für den Exportmarkt. Sie bleiben von der globalen Wirtschaftskrise und den einbrechenden Auslandsbestellungen nicht unberührt.
Besonders viele Firmenpleiten gab es in Slowenien - mit 657 Fällen 17,3 Prozent mehr als 2007. In Ungarn mussten 11.322 Firmen Insolvenz anmelden. Das waren 16,4 Prozent mehr als 2007.
Quelle: ddp/Creditreform