Graffiti und Denkmalschutz passen nicht zusammen, trotzdem bilden sie oft ein fast untrennbares Duo. Sind alte Gemäuer – meist bestehend aus Naturstein oder Ziegeln – einmal mit den bunten Sprühbildern verziert, helfen oft nur ätzende Lösungen oder Hochdruckreiniger, um sie wieder zu entfernen. Mit diesen Verfahren droht jedoch zugleich die Gefahr, dass die Bausubstanz der denkmalgeschützten Gebäude Schaden nimmt. Um das Problem zu umgehen, hat das Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung in einem EU-Projekt gemeinsam mit dem Zentrum für Polymer- und Kohlenstoffmaterialien der polnischen Akademie der Wissenschaften eine neue Methode entwickelt. Wie die bisherigen Untersuchungen zeigen, kann das Graffiti damit ohne größere Probleme von den Mauern abgewischt werden.
Die Idee, Mauern nicht mit aufwendigen Verfahren zu reinigen, sondern sozusagen präventiv mit abwaschbarem Lack zu überziehen, ist nicht neu. Das Problem hierbei ist jedoch, dass der bisher bekannte Lack die Mauerporen derart stark versiegelt, dass das Gebäude nicht mehr "atmen" kann – Schimmel droht. Die Anforderungen an eine solche Schicht sind widersprüchlich, sagt Prof. André Laschewsky, Forschungsbereichsleiter am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung, "einerseits darf sie die Poren nicht versiegeln, andererseits soll die Graffitifarbe nicht in die Poren eindringen. Zudem muss sich der Lack bei Bedarf restlos vom Gebäude entfernen lassen ohne Schaden für die Bausubstanz."
Die Lösung der polnischen Akademie der Wissenschaften setzt genau hier an. Der von den Wissenschaftlern entwickelte Polymerlack schafft es, die Poren vor dem Eindringen der Graffitifarbe zu schützen und ermöglicht es gleichzeitig, dass Wasserdampf aus dem Gebäude entweichen kann, erklärt Laschewsky. "Nanotechnologie" sei hier das Stichwort. Gleichzeitig könne die Schicht bei Bedarf auch wieder entfernt werden, ohne dass das denkmalgeschützte Gebäude Schaden nehme. Der neue Polymerlack wurde im Rahmen eines EU-Projekts zum Thema "Denkmalschutz" entwickelt. Bei denkmalgeschützten Bauwerken ist es im Vergleich zu anderen Gebäuden sehr wichtig, dass derartige Schutzmaßnahmen nicht sichtbar oder spürbar sind, erläutert Prof. André Laschewsky.
Erste Tests zeigten Erfolg
Erste Feldtests mit dem neuen Lack wurden bereits erfolgreich durchgeführt. Dabei beschichteten die Forscher verschiedene Steine und Ziegel und besprühten diese mit Graffiti. Ergebnis: Die Farbe ließ sich jedes Mal komplett entfernen. Nun geht das Projekt in die nächste Phase. "Momentan sind wir dabei, eine neue Arbeitsgruppe zu planen", sagt Laschewsky, "wir wollen die Methode nun in der Praxis an richtigen Objekten ausprobieren."
Bis der neue Polymerlack auf den Markt kommt wird es nach Einschätzung von Prof. André Laschewsky noch etwa zwei bis drei Jahre dauern. "Ein Jahr Forschung reicht noch nicht aus, um ein Verfahren zu testen, das in den langen Dimensionen des Denkmalschutzes eingesetzt werden soll", erklärt er. Besonders wichtig war es für die Forscher eine Methode zu entwickeln, die in der Praxis unkompliziert angewendet werden kann. "Wir wollen weg von einer Wunderlösung, die viele Spezialgeräte braucht", sagt Laschewsky. Auch wenn in der Erarbeitung sehr viel Zeit und aufwendige Tests stecken, solle dies nicht an die Endnutzer weitergegeben werden. Der neue Polymerlack wird laut Laschewsky zwar ein wenig teuerer werden als andere Lösungen. Dafür könne an Arbeitszeit und Material gespart werden, das beim Einsatz von aufwendigen Reinigungsarbeiten anfalle.
jtw