"Viel zu theorielastig", lautete die Kritik am so genannten Berufsvorbereitungsjahr (BVJ), das leistungsschwache Schüler gleichzeitig zum Hauptschulabschluss führen und sie fit für eine Berufsausbildung machen sollte. Nun soll das praxisnäher und individueller gestaltete Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf (VAB), das zum Schuljahr 2009/2010 in Baden-Württemberg eingeführt wurde, zeigen, ob es mehr Erfolg bringen kann.
Seit dem vor kurzem begonnenen Schuljahr erprobt das Kultusministerium Baden-Württemberg an 26 Schulen des Landes mit dem VAB einen neuen Bildungsweg. Laut dem Baden-Württembergischen Handwerkstag (BWHT) werden die Leitziele des neuen Konzepts durch eine "bessere Vernetzung von Theorie und Praxis sowie individuellere Lernprozesse, die über lebenswelt- und berufsbezogenes Lernen sowie eine zielgerichtete Förderung in Prüfungs- und Praxisgruppen erreicht werden sollen", bestimmt. Zentrale Stichworte seien dabei Flexibilität, Projektarbeit und integrative Klassen, das Globalziel laute Ausbildungsreife.
Grundsätzlich begrüßt der BWHT die Initiative ein neues Modell zu schaffen, theorieschwache Schüler praxisorientiert und individuell zu fördern. Er gibt jedoch zu bedenken, dass praxisnahe Projektarbeit entsprechende Kapazitäten auf schulischer wie auch betrieblicher Seite voraussetzt. "Im Handwerk ist man dafür durchaus offen. Umfangreiche Beteiligungen an Bildungspartnerschaften, Einstiegsqualifizierungen, Berufsorientierungen, Praxistagen, Praktika, etc. sprechen eine deutliche Sprache. Aufgrund eng gewordener Spielräume ist ein übermäßiges Engagement in Sachen VAB allerdings nicht zu erwarten", kritisiert der BWHT. Zusätzlich trage das VAB – zumindest solange es parallel zum BVJ existiere - zur Unübersichtlichkeit schulischer Ausbildungsgänge bei.
Der BWHT fordert "bildungspolitische Maßnahmen, die weitaus früher in der Sozialisation Jugendlicher ansetzen, vorbeugend wirken und für ausbildungsreife Schulabgänger sorgen" und kritisiert die Einführung des VAB deshalb als "Schadensregulierungsmaßnahme", die keinen neuen Weg zur Ausbildungsreife darstellen könne.
Quelle: jtw/BWHT