Ab dem Schuljahr 2010/2011 gibt es in Baden-Württemberg eine neue Schulform. Die so genannte Werkrealschule soll als "berufliche Realschule" für potentielle Hauptschüler neue Bildungs- und somit auch Ausbildungswege eröffnen. Auch das Handwerk könnte davon profitieren – bisher gibt es jedoch noch starke Kritik.
Ein Großteil der Hauptschulabgänger (60 Prozent) wird im Handwerksbereich ausgebildet, 35 Prozent haben einen Realschulabschluss. Da die Schulform der Hauptschule in den letzten Jahren jedoch immer stärker in die Kritik geraten ist, "bleibt jährlich eine hohe Zahl von Lehrstellen unbesetzt, da es an ausreichend qualifizierten Bewerbern fehlt", meldet der Baden-Württembergische Handwerkstag. Um dieser Tendenz entgegenzuwirken, wurde die "Werkrealschule" ins Leben gerufen. Sie soll Schüler – vergleichbar mit der allgemeinen Realschule – in sechs Schuljahren zu einem mittleren Schulabschluss verhelfen. Im Unterschied zur allgemeinen Mittleren Reife werden die Schüler im letzten Schuljahr jedoch an Berufsfachschulen unterrichtet und so gezielt auf eine Berufsausbildung vorbereitet.
Was sich – vor allem bezogen auf die kritisierte mangelnde Ausbildungsreife vieler Schüler – erst einmal sehr positiv anhört, wird vom Handwerk stark kritisiert. "Die Werkrealschule in der vorgesehenen Form des Gesetzesentwurfs kann vom Baden-Württembergischen Handwerkstag nicht akzeptiert werden", heißt es in einer Stellungsnahme. Die neue Schulform in ihrer momentanen Fassung stelle kein gleichrangiges Angebot zur allgemeinen Realschule dar, sondern eher einen erweiterten Hauptschulabschluss. Ziel der Bildungsreform sei es, neue Bildungschancen zu eröffnen und so auch qualifizierten Nachwuchs für das Handwerk auszubilden. Dafür müsste laut dem Baden-Württembergischen Handwerkstag jedoch mehr in die Fortbildungsangebote der Lehrkräfte, die Ausstattung der Schulen und auch darin investiert werden, dass der Ganztagsschulbetrieb an Werkrealschulen möglich wird. Vor allem die Notenhürde des aktuellen Schulgesetzes für die Werkrealschule stelle ein großes Hindernis für den Erfolg dieser neuen Schulform dar, so die kritischen Stimmen aus dem Handwerk. Nur die Schüler dürfen die Abschlussklasse besuchen, die in den Hauptfächern auf einen Notendurchschnitt von 3,0 kommen.
Im Gesetzesbeschluss des Baden-Württembergischen Landtages erfahren Sie die Details zur neuen Werkrealschule. Die Stellungnahme des Handwerktages zum neuen Schulgesetz enthält alle Kritikpunkte sowie Erläuterungen und Verbesserungsvorschläge zur Werkrealschule.
jtw