Von Anfang an wird der Leser in die Geschichte hineingezogen, will die nächste Mail, die nächste Antwort lesen. Die E-Mails werden mal im Sekundentakt hin und her geworfen, mal liegen Tage, Wochen und Monate dazwischen. Entsprechend verändern sich auch die Gefühlszustände der beiden Schreiber Emmi Rothner und Leo Leike.
Gleich der Beginn des Buches "Gut gegen Nordwind" treibt die Mundwinkel des Lesers in die Höhe. Denn aus der so alltäglichen und einfachen Sache wie der Kündigung eines Abonnements wird ein spritziger Schlagabtausch zwischen zwei sich sprachlich ebenbürtigen Menschen. Ein Auszug: "Sehr geehrte Damen und Herren vom 'Like'-Verlag, sollte Ihr beharrliches Ignorieren meiner Versuche, ein Abonnement abzubestellen, den Zweck haben, weitere Hefte Ihres im Niveau leider stetig sinkenden Produkts absetzen zu können, muss ich Ihnen leider mitteilen: Ich zahle nichts mehr […]. Und die schlagfertige Antwort: "Sie sind bei mir falsch […] Sie sind schon der Dritte, der bei mir abbestellen will. Das Heft muss wirklich schlecht geworden sein."
Die Fortsetzung "Alle sieben Wellen" setzt da an, wo "Gut gegen Nordwind" aufhört und entwickelt sich parallel zur Beziehung von Emmi und Leo. Die E-Mails werden länger, sie lernen sich besser kennen, öffnen sich, zeigen Eifersucht, Zweifel und Sehnsucht. Eben Phasen einer Beziehung, wie sie im üblichen Ablauf durchlaufen und durchlebt werden.
"Nach vier Tagen […] Kuckkuck! Lg Emmi. Am nächsten Tag […] Sie können mich gern haben. Ich schreibe Ihnen nicht mehr. Tschüss. Fünf Tage später […] Aber Strom haben Sie schon noch, Leo, oder? Ich mache mir langsam Sorgen um Sie. Schreiben Sie wenigstens 'Määäh!'".
Wenn es schon schwierig ist, einem Menschen zuzuhören, ist es das Lesen nicht noch mehr. Seine Gedanken aufzuschreiben, Fragen zu stellen, sich für den anderen zu interessieren und so regelmäßig zu kommunizieren – was für eine schöne Idee, um miteinander im Gespräch zu bleiben.
"Gut gegen Nordwind" und "Alle sieben Wellen" sind Bücher, die wahrscheinlich mehr die weibliche Leserschaft ansprechen, aber das machen sie sehr gut.
Gut gegen Nordwind, Daniel Glattauer, 16. Auflage 2008, Wilhelm Goldmann Verlag, München
Alle sieben Wellen, Daniel Glattauer, 2009, Deuticke
Bewertung: **** (von fünf möglichen)