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Finanzen
Insolvenzen 2009

Das Jahr der Firmenpleiten

 
15.12.2009
 
Bereits seit längerem machten Karmann rückläufige Auftragszahlen zu schaffen, nun musste das Unternehmen Insolvenz anmelden.
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Bereits seit längerem machten Karmann rückläufige Auftragszahlen zu schaffen, nun musste das Unternehmen Insolvenz anmelden.
Bild: ddp

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2009 könnte als das Jahr der Firmenpleiten in die deutsche Wirtschaftsgeschichte eingehen. Nach Angaben der Wirtschaftsauskunftei Creditreform meldeten im laufenden Jahr rund 34.300 Unternehmen Insolvenz an. Gegenüber 2008 ist das ein Anstieg um 16 Prozent. Auch viele traditionsreiche Unternehmen gerieten 2009 in eine ausweglose Lage und wurden abgewickelt oder blicken zumindest in eine ungewisse Zukunft. Nicht bei allen betroffenen Firmen ist die weltweite Wirtschaftskrise der Grund für das drohende Aus.

Die Insolvenz des Handelskonzerns Arcandor, zu dem die Warenhauskette Karstadt und der Versandhändler Quelle gehören, ist auf Managementversagen zurückzuführen. Die Arcandor-Pleite gilt mit Forderungen in Höhe von rund 19 Milliarden Euro als eine der größten seit Bestehen der Bundesrepublik.

Die Geschichte von Karstadt begann bereits Ende des 19. Jahrhunderts mit einem Warenhaus in Wismar. Quelle wurde 1927 von Gustav Schickedanz in Fürth gegründet. Während bei Karstadt noch Chancen für eine Sanierung bestehen, ist das Ende von Quelle besiegelt. Rund 10.000 Menschen werden ihren Arbeitsplatz verlieren.

Auch das Traditionsunternehmen Hertie gibt es nicht mehr. 1892 gründete der jüdische Kaufmann Hermann Tietz die ersten Warenhäuser. Nach der Zwangsarisierung durch die Nazis wurde die Kette nach dem Namen des Gründers in Hertie umbenannt. 2008 meldete der Einzelhändler Insolvenz an, im Mai dieses Jahres beschloss die Gläubigerversammlung die Liquidation. Überhöhte Mieten gelten als ein Grund für die Hertie-Pleite. Im August schlossen die letzten Filialen. Hertie beschäftigte zuletzt 2.600 Arbeitnehmer.

Der Osnabrücker Autobauer Karmann ist ebenfalls pleite. Die Geschichte des Auftragsherstellers, der zuletzt unter anderem das Audi-A4-Cabrio fertigte, geht bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts zurück. Bereits seit längerem machten Karmann rückläufige Auftragszahlen zu schaffen, und die Wirtschaftskrise verschärfte Situation. Volkswagen will nun Teile der insolventen Firma übernehmen.

Der Modelleisenbahnhersteller Märklin sucht noch nach einem Käufer. Das schwäbische Unternehmen mit damals 1.400 Mitarbeitern hatte Anfang Februar im 150. Jahr seines Bestehens Insolvenz angemeldet, nachdem die Banken einen 50-Millionen-Kredit nicht verlängert hatten. Von 1.400 Mitarbeitern verloren rund 400 ihren Arbeitsplatz.

Die nicht weniger traditionsreiche oberfränkische Porzellanmanufaktur Rosenthal hat bereits einen Investor gefunden. Der italienische Besteckhersteller Sambonet Paderno übernahm das 1879 gegründete Unternehmen, nachdem im Januar 2009 das Insolvenzverfahren eingeleitet worden war. Als Grund wurde die Zahlungsunfähigkeit der Mehrheitsaktionärin Waterford Wedgewood genannt. Von 1.200 Mitarbeitern wurden 300 entlassen.

Auch der Wäschehersteller Schiesser verkündete Anfang des Jahres seine Pleite und sprach von Finanzierungsproblemen. Trotz eingeleitetem Insolvenzverfahren lief das Geschäft des 1875 gegründeten Unternehmens 2009 gut. Derzeit wird mit potenziellen Investoren verhandelt. Zu den Interessenten gehört auch der Modeschöpfer Wolfgang Joop.

Aber nicht nur für Traditionsunternehmen wurde 2009 zum Pleitejahr, sondern auch für Produzenten moderner Technologie. Der Speicherchiphersteller Qimonda mit Standorten in München und Dresden wird derzeit regelrecht verramscht. Nachdem sich für die Infineon-Tochter kein Investor interessierte, findet nun ein Ausverkauf von Geräten wie Monitoren, Druckern und Notebooks statt. Sogar Grünpflanzen stehen zum Verkauf. Das Unternehmen, das in Deutschland einst 4.600 Mitarbeiter beschäftigte, hatte nach einem Preisverfall in der Branche und erheblichen Verlusten im Januar Insolvenzantrag gestellt.

Der Verband der Insolvenzverwalter Deutschlands (VID) rechnet für das kommende Jahr mit einer anhaltenden Pleitewelle. Das liege nicht zuletzt daran, dass eine Insolvenz meist Folgeinsolvenzen nach sich zöge.

Quelle: ddp

 
 

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