Frustriert. Ja, das ist Ute Nehrbach in der Tat – und jedem, der sich in das Leben der Protagonistin in "Halbnackte Bauarbeiter" einklinkt, droht Ähnliches. Vielversprechender Titel – große Langeweile.
Die enddreißiger Titelheldin hat weder Beruf noch Privatleben so richtig im Griff. Außerdem scheint sie ununterbrochen in eine wenig erhellende Gedanken- und Phantasiewelt abzudriften, in der sie mehr als eine Otto-Normal-Bürgerin Berlins abgibt. Wohlwollend würde man sie als kreativ bezeichnen. Realistisch betrachtet als Frau, die hier und da mal ein Highlight im Alltag erlebt. Ansonsten ist sie eine von vielen, die mal mehr, mal weniger glücklich durchs Leben geht.
Paradoxerweise bietet diese Figur keine Identifikationsmöglichkeit. Sicherlich bevorzugen viele Singles Imbissessen vor einem aufwendig selbstzubereitetem Abendessen. Ebenso wahrscheinlich sind ausufernde weibliche Gedankenspiele. Aber hier enden für gewöhnlich die Übereinstimmungen mit Ute Nehrbach. Welche Frau mit gesundem Menschenverstand könnte sich partout nicht von ihrem legasthenischen und nervigen Liebhaber lösen und ließe sich wissentlich beruflich in die Pfanne hauen?
Zugegeben – das Buch sorgt für herzhafte Lacher, weil der Humor zunächst auf eine frische Art daher kommt. Aber das passiert lediglich im ersten Drittel des Buches. Danach flutscht der Leser zwar auch ohne größere literarische Hürden bis zur rettenden letzten Seite, aber Abwechslung bringen allenfalls die Lesepausen. Die Story regt weder zum Nachdenken an, birgt keine zu ergründenden Zweideutigkeiten oder Rätsel und die Titelheldin zeigt weder Entwicklungs- noch Identifikationsmöglichkeiten.
Was der Leser über das Leben der Titelfigur erfasst, erfährt er auch in Leserbriefen von Frauenzeitschriften. Aber in einen Roman gepresst, erzeugt diese pseudo-komische und teilweise sarkastisch skizzierte Normalo-Welt nichts als Langeweile.
Das Durchhaltevermögen des Lesers erklärt sich lediglich durch seine Neugier nach Happening, nach Aktion, nach Veränderung. "Wann passiert endlich etwas", fragt man sich Seite um Seite. Und dann – Seite 251: Ende! Was? Und wo sind die halbnackten Bauarbeiter? Die schmale Erwähnung des Cola-Typen aus der Werbung kann es doch nicht schon gewesen sein! Oder doch? Als Leser möchte man das Buch schütteln, in der Hoffnung, es kommt noch mehr heraus.
Halbnackte Bauarbeiter, Martina Brandl, 2. Auflage Juli 2008, Fischer Taschenbuch Verlag
Bewertung: * (von fünf möglichen)
Iris Stelter